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Re:FleXX Radio

Re:FleXX Radio

Nicht alle künstlerischen Positionen manifestieren sich über Sichtbarkeit. Manche operieren über lange Zeiträume hinweg im Hintergrund, eingebettet in Netzwerke, deren Logik sich erst im Rückblick erschließt. Paulers Re:FleXX-Avatar, nach außen unter der Bezeichnung Rex Paul Junior sichtbar, findet zum Beispiel in dieser Kategorie seine Entsprechung.

Paulers Wurzeln liegen in den frühen neunziger Jahren der nordostdeutschen Off-Strukturen der alternativen Gen X Kulturlandschaft: informelle Räume, Hausbesetzungen, spontan organisierte Sessions in beständig wechselnden Konstellationen, politische Aktionen. In diesem Milieu etablierte sich eine Praxis, die weniger auf feste Gruppenzugehörigkeit als auf situative Interaktion ausgerichtet war. Pauler agierte darin als verbindendes Element zwischen unterschiedlichen musikalischen Ansätzen, ohne sich darin dauerhaft zu institutionalisieren.

Microfish entstand im Greifswalder Umfeld als kollaboratives Studiogefüge innerhalb einer offenen norddeutschen und später auch berlinnahen Produktionslandschaft, in der sich Dub-, TripHop- und experimentell-elektronische Arbeitsweisen überlagerten, ohne frühzeitig stilistisch fixiert zu werden. Die Struktur war nicht als klassische Bandformation angelegt, sondern als fluides Produktionssystem, das aus konkreten Studiokonstellationen, informellen Sessions und wechselnden Beteiligungen hervorging. 

Lenox (Martin Tröster) steht aus der nordostdeutschen Linie von MCs und Produzenten, die sich in den 90ern zwischen Rostock, Greifswald und den angrenzenden Subkulturräumen nicht als Szene im klassischen Sinn formierten, sondern als permanenter Produktionszustand. Dub, frühe elektronische Studiologik, Rap und experimentelle Formen liefen dort nicht nebeneinander, sondern ineinander – als ein einziger funktionaler Raum.

Sein Name taucht früh in einem Geflecht auf, das später unter Begriffen wie Nordachse oder im Umfeld von P.O.sin Music gefasst wurde, aber nie wirklich darin aufging. Diese Kontexte waren keine Labels, sondern Betriebssysteme: offene Räume, in denen Beats, Sprache, Dub-Strukturen und Live-Impulse ohne Trennung verarbeitet wurden.

In diesem Zusammenhang steht auch Microfish im Greifswalder Raum. Kein Projekt im klassischen Sinn, sondern ein verdichteter Produktionskörper aus wechselnden Konstellationen. Lenox ist dort Teil der strukturellen Bewegung: Rhythmus, Energie, Live-Übertragung, Fragment und Wiederaufnahme. Nichts davon als Einzelrolle, sondern als Teil eines laufenden Systems, das sich nur im Moment selbst stabilisiert.

Parallel dazu laufen seine eigenen Linien weiter – Releases, Sessions, regionale Kopplungen, Namen wie Underdog Cru und andere Konstellationen, die nie als Karrierearchitektur funktionieren, sondern als Knotenpunkte eines kontinuierlichen Arbeitsflusses. Kein Ausbau, kein Konzeptwechsel – eher ein konstantes Fortsetzen eines einmal gefundenen Drucks im Sound.

Re:FleXX versteht sich als erweiterter Arbeitszusammenhang aus Rex und Lenox, ergänzt um eine eigenständige konzeptionelle Ebene („Flexism“ als Arbeitsbegriff für flexible, prozesshafte Produktionslogiken). Im Zentrum steht dabei nicht ein abgeschlossenes Werkverständnis, sondern die Verarbeitung von biografischen, künstlerischen und gesellschaftlichen Bruchlinien innerhalb eines kontinuierlichen Produktionsprozesses.

Mit dem Einzug von Plattformökonomien und algorithmischer Sichtbarkeit haben sich diese Bedingungen grundlegend geändert: Zugang ersetzt Kontrolle, Reichweite ersetzt Gatekeeper-Strukturen, allerdings nicht ohne neue Formen von Abhängigkeit.

Rex Paul Junior fungiert als eine verdichtete, bewusst zugespitzte Außenform der eigenen künstlerischen Identität. Hierin überlagern sich biografische Erfahrungen, ästhetische Entscheidungen und eine idealisierte Gegenfigur – weniger als Trennung, sondern als kontrollierte Projektion dessen, was im eigenen Arbeiten angelegt ist, aber nicht permanent sichtbar sein soll.

Re:FleXX positioniert sich bewusst innerhalb dieser Verschiebung mit dem Einsatz aktueller Technologien, einschließlich KI-gestützter Produktionsmittel, und versteht diese nicht als Ersatz künstlerischer Arbeit, sondern als Erweiterung ihrer Möglichkeiten. Entscheidend bleibt die Unterscheidung zwischen Kunst als Prozess und Musik als reines Konsumprodukt: Erstere bleibt an Erfahrung, Entscheidung und Ausdruck gebunden, letztere ist zunehmend technisch reproduzierbar.

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